Wenn du noch immer glaubst, eine „Digitalstrategie“ beginne und ende mit der Optimierung deiner Website und einer mobilen App, solltest du dein Denkmodell aktualisieren. Der neue Haupteingang wird zum Gespräch.
OpenAI hat bestätigt, dass Entwicklungsteams Apps einreichen können, die geprüft und in ChatGPT veröffentlicht werden. Außerdem gibt es jetzt ein App-Verzeichnis im Produkt, in dem Nutzende sie durchsuchen und entdecken können. OpenAI hat außerdem ein Apps SDK als Beta-/Vorschauversion veröffentlicht, mit dem sich speziell für Chats entwickelte Erlebnisse erstellen lassen.
Aus geschäftlicher Sicht schaffen „ChatGPT Apps“ eine neue Vertriebs- und Interaktionsebene:
Nutzende navigieren nicht durch Seiten und Menüs. Sie fragen, und die App erledigt den Rest.
Workflows werden für Chats konzipiert: Geführte Gespräche können Informationen abrufen, Aktionen ausführen und Aufgaben abschließen.
Die Veröffentlichung ähnelt zunehmend einem „Store“-Modell. Metadaten, Qualität, Sicherheit und Prüfanforderungen bestimmen mit, wie du Aufmerksamkeit gewinnst.
Erste Berichte deuten auf eine schrittweise Einführung bis ins neue Jahr hin. Entwicklungsteams können festlegen, wo Apps verfügbar sind, etwa für getrennte Einführungen in Großbritannien und der EU, Asien oder den USA. Die Größenordnung zwingt Unternehmen schon jetzt zum Umdenken: Nach den neuesten, auf dem DevDay veröffentlichten Zahlen von OpenAI nutzen rund 800 Millionen Menschen ChatGPT wöchentlich aktiv.
Zwei Jahrzehnte lang galt eine einfache Annahme: Menschen auf deine Website oder in deine App bringen und ihnen dort helfen, das Gesuchte zu finden. In einer auf Agenten ausgerichteten Welt bedeutet Auffindbarkeit: im Agenten die beste Antwort und die schnellste Aktion bieten. Das verändert, wie Nachfrage erschlossen wird und wie Unternehmen Produkte auf den Markt bringen:
Von SEO zur „Optimierung für Agenten“: Der Agent entscheidet, was er empfiehlt und vergleicht und welche Aktion er ausführt.
Von der Navigation zum Abschluss: weniger Klicks, weniger Abbrüche und weniger Ermüdung beim Stöbern.
Von Funnels zu Gesprächen: Absichten werden im jeweiligen Kontext in Alltagssprache formuliert, oft näher an der Kaufentscheidung.
Websites verschwinden deshalb nicht. Sie sind nur seltener die primäre Oberfläche und dienen häufiger als Backend, Referenzpunkt oder Abwicklungsebene.
Wenn die KI-basierte Oberfläche eine Transaktion abschließen kann, entfallen für die Kundschaft viele der üblichen Hürden.
Früh einsteigende Handelsmarken behandeln dies bereits als Vertriebskanal und nicht als Neuheit. In den USA hat Target ein kuratiertes Einkaufserlebnis in ChatGPT angekündigt. Es umfasst die Produktsuche, Warenkörbe mit mehreren Artikeln und verschiedene Lieferoptionen und wird als neue Art des Einkaufens positioniert. Walmart hat zudem eine Partnerschaft mit OpenAI angekündigt, um KI-zentriertes Einkaufen über ChatGPT zu ermöglichen.
Das ist das entscheidende Signal: Große Marken planen ChatGPT als eigenen Kundenkanal mit eigenen Konzepten für Warenpräsentation, Conversion und Erfolgsmessung ein. Einige Beispiele dafür zeichnen sich bereits ab:
Eine Person fragt in ChatGPT: “I need everything for a 10-person vegetarian dinner party on Saturday so give me quick recipes, wine pairings, and delivery slots after 6pm.” Eine speziell für Chats entwickelte Einkaufs-App kann in einem Ablauf Menüs und Alternativen vorschlagen, einen Warenkorb zusammenstellen, Lieferoptionen anbieten und die Bestellung abschließen, ohne dass die Person je eine herkömmliche Website „betritt“. Derselbe Ablauf funktioniert auch für Versicherungen, Reisen, Kleidung und vieles mehr.
Die Kundschaft navigiert nicht mehr durch mehrere Websites, sondern gelangt mit möglichst wenig Aufwand zum gewünschten Ergebnis.
Eine unabhängige Finanzberatung nutzt in einem Kundengespräch ChatGPT, das mit einer Fondsplattform verbunden ist. Die Beratung führt mit und für die betreute Person eine KI-gestützte Szenarioplanung in Alltagssprache durch und sagt anschließend einfach: “So now switch from Balanced to Defensive, increase cash buffer to 18 months of withdrawals, and rebalance across their ISA and SIPP. Draft the suitability note and prepare the order for approval.”
Die App kann das Gespräch dann in Aktionen auf der Plattform übersetzen: Transaktionen vorschlagen, Vorgaben des Mandats und Eignungsregeln prüfen, auf mögliche Compliance-Probleme hinweisen und den letzten Schritt zur menschlichen Freigabe weiterleiten. Nach der Freigabe übermittelt sie die Aufträge direkt an die Fondsplattform.
Der entscheidende Wandel besteht darin, dass Beratung, Dokumentation und Ausführung in einem durchgängigen Ablauf stattfinden, statt zwischen Modellierungswerkzeugen, PDFs, E-Mails und separaten Handelsoberflächen zu wechseln. Deine digitale Präsenz bemisst sich daran, wie gut dein Produkt innerhalb einer Agentenebene bewertet und genutzt werden kann.
In Organisationen können ChatGPT Apps als geführte Ebene dienen, die Beschäftigten ihre Arbeit erleichtert. Sie greift auf unternehmensspezifische Richtlinien, Wissensdatenbanken und Systeme zu und wahrt dabei die Governance.
Besonders wertvolle interne Abläufe sind absehbar:
HR-/IT-Workflows: Onboarding, Zugriffsanfragen, Geräteeinrichtung, Zusatzleistungen
Fallbearbeitung: Ersteinschätzung, Entwürfe für Antworten, Abruf früherer Fälle, Vorschläge für nächste Schritte
Vertriebsunterstützung: Kundenbriefings, Angebote, RFP-Fragen und -Antworten, Argumentationshilfen
Richtlinien und Standardarbeitsanweisungen: “What’s the approved process for X in the EU vs APAC?”
Der Produktivitätsgewinn verlagert sich von der Zeit bis zur Antwort auf die Zeit bis zur ausgeführten Aktion: weniger Übergaben, weniger Schleifen nach dem Muster „Gut, jetzt weiß ich, welches System ich verwenden muss“, und eine reibungslosere Ausführung von Standardprozessen.
Da Apps mit festgelegten Verhaltensweisen und Verbindungen entwickelt werden, lassen sich Zugriffskontrollen, Prüfbarkeit und klare Grenzen dafür vorsehen, was die App tun darf und was nicht.
Wer früh einsteigt, kann sich echte Vorteile aufbauen, während sich der Markt noch entwickelt.
Du wirst zur ersten Wahl: Wenn Nutzende ein neues Verzeichnis erkunden, bleiben sie häufig bei den Apps, die sie zuerst finden. Du bist dann nicht nur eine weitere Option, sondern die erste Wahl, die sie ausprobieren und in ihre Gewohnheiten integrieren.
Du erfährst, was Menschen wirklich brauchen: Du siehst, welche Fragen die Kundschaft tatsächlich stellt, wie sie ihre Anliegen formuliert und wo Schwierigkeiten auftreten. So kannst du deine Lösung am tatsächlichen Verhalten ausrichten, statt zu raten.
Du schaffst Gewohnheiten, die sich nur schwer ändern lassen: Sobald deine App der schnellste Weg ist, etwas zu erledigen, ob einen Kauf, eine Buchung oder die Lösung eines Problems, suchen Menschen nicht mehr nach Alternativen.
Du gibst weniger für die Kundengewinnung aus: Wenn der Agent einen Großteil der Arbeit übernimmt, musst du weniger dafür bezahlen, Menschen durch komplexe Prozesse zu führen, die zuvor menschliche Unterstützung erforderten.
Du entwickelst etwas, das Wettbewerber nicht leicht kopieren können: Der eigentliche Vorteil besteht nicht nur darin, Fragen besser zu beantworten. Entscheidend sind deine spezifischen Daten, deine ausgereiften Workflows und die Rückmeldeschleife, durch die alles kontinuierlich besser wird.
Die Risiken eines späten Einstiegs sind ebenso konkret:
Wegfall der Vermittlerrolle: Der Agent wird zur Oberfläche, deine Website zu einem Backend-Dienst.
Verlust der Deutungshoheit: Wenn Dritte dein Angebot innerhalb des Agenten besser erklären, verlierst du die Kontrolle über deine Positionierung.
Austauschbare Vergleiche und höhere Akquisekosten: Wenn du im Agentenkanal nicht präsent bist, zahlst du mehr dafür, Nutzende zu herkömmlichen Abläufen zurückzuholen.
Pragmatisch ist es, mit zwei Abläufen zu beginnen, einem externen und einem internen, um Kompetenzen und Vertrauen aufzubauen.
Wähle ein bis zwei besonders wertvolle Abläufe aus: Zum Beispiel einen Kundenablauf von der Suche über Warenkorb oder Angebot bis zum Kaufabschluss oder zur Lead-Erfassung sowie einen Ablauf für Beschäftigte, etwa Onboarding, die Umsetzung von Richtlinien oder die Bearbeitung im Service Desk.
Lege Erfolgskennzahlen vorab fest: Nutzung, Conversion oder Lead-Qualität, Lösungsdauer oder Vermeidungsquote, Zeit bis zum Abschluss.
Prüfe Datenverfügbarkeit und Zuständigkeiten: Welche Quellen werden benötigt, etwa Katalog, Preisregeln, Standardarbeitsanweisungen oder Wissensdatenbank? Wer ist für Richtigkeit und Aktualisierungen verantwortlich? Was wird von frühen Pilotprojekten ausgeschlossen?
Lege Leitplanken fest: Was darf autonom ablaufen, was muss freigegeben werden, wie führen Eskalationswege zu Menschen und welche Anforderungen gelten für Protokollierung und Überwachung?
Pilotprojekt > messen > verbessern > skalieren: Veröffentliche schnell und behandle die erste Version als messbare Lernschleife, nicht als Komplettumstellung auf einen Schlag.
Wir sind eine Beratung für KI-Strategie und -Entwicklung. Unser fundiertes Wissen und unsere Erfahrung beruhen auf unserer internen Forschung und Entwicklung, die eng mit der Forschung und Entwicklung von OpenAI zusammenarbeitet. Im Rahmen der KI-Transformation unserer Kunden entwickeln wir weltweit neuartige KI-Lösungen. ChatGPT Apps gehören dazu, mit Agenten-Workflows für interne Produktivität und Kundenerlebnisse. Ein typischer Ablauf von der Idee bis zum Produktivbetrieb dauert 8–12 Wochen:
Woche 1: Anwendungsfall definieren, Erfolgskennzahlen festlegen, Daten und Wissen prüfen
Woche 2: Nutzungserlebnis prototypisch umsetzen, Inhalte ausarbeiten, Interaktionen gestalten
Woche 3–9: Entwicklung, Integration, Tests, Governance-Prüfungen
Woche 9–12: Pilotstart, Messkonzept, Aufgabenliste für Verbesserungen
Wenn du Interesse hast, melde dich bei uns.
Wenn du also deine Technologie-Roadmap für 2026 erstellst, lautet die entscheidende Frage nicht mehr, wie du deine Website oder App optimierst, sondern: „Wie gut können Kundschaft und Beschäftigte über eine Agentenoberfläche sicher, schnell und skalierbar Ergebnisse erzielen?“